Winfred Bogdahn - Eine zentrale und prägende Figur

Winfred Bogdahn, 2002

Die Lichtenfelser SPD in den 1990er-Jahren

Der SPD Ortsverein Lichtenfels wurde in den 1990er-Jahren durch den ersten Vorsitzenden Winfred Bogdahn geprägt. Winfred Bogdahn war schon seit 1981 Vorsitzender des Ortsvereins, mit seiner Wahl zum Lichtenfelser Bürgermeister gab es für die Lichtenfelser SPD einen neuen Impuls und auch eine neue Blickrichtung in der politischen Arbeit.

Eine zentrale und prägende Figur
Winfred Bogdan war für die SPD schon seit Anfang der 1970er-Jahre aktiv. Zeitweise arbeitete er für den Landtagsabgeordneten Otto Schuhmann und organisierte für Landrat Helmut Walter die Wahlkämpfe. Von 1981 bis ins Jahr 1999 führte er als Vorsitzender den Ortsverein Lichtenfels. Ab 1984 war Winfred Bogdahn Mitglied des Stadtrates.

Mit dem Slogan: „Frischer Wind ins Rathaus“ wurde er am 27. November 1991 – für viele überraschend und mit einer hauchdünnen Mehrheit – mit damals 38 Jahren zum Bürgermeister der Stadt Lichtenfels gewählt und trat die Nachfolge von Dr. Günther Hauptmann an. Über zehn Jahre bekleidete Bogdahn engagiert und mit viel Elan das Amt des Bürgermeisters, bis er – wieder zur Überraschung vieler und wieder mit einem hauchdünnen Ergebnis – bei der Kommunalwahl 2002 der Kandidatin der CSU, Dr. Bianca Fischer, unterlag.

Doch was führte dazu? Konnte man doch die Bilanz Bogdahns und seiner Stadträte in den beiden Amtsperioden von Ende 1991 bis April 2002 als durchaus äußerst erfolgreich bezeichnen. So trieb Bogdahn in seiner ersten Amtszeit energisch den Bau einer zentralen Kläranlage in Lichtenfels und den Bau örtlicher Kläranlagen in Rothmannsthal, Eichig und Köttel voran, um die hohen „Schmutzwasserabgaben“ an den Bund zu vermeiden. Ein weiteres erfolgreiches Großprojekt war die Generalsanierung das Merania-Hallenbades.

Es gelang Bogdahn mit der Unterstützung des Stadtrates über die Parteigrenze hinweg die Realisierung weitere Projekte, wie das Jugendzentrum (JUZ), die Ausweisung von neuen Bau- und Gewerbegebieten oder auch die Ansiedlung des heute noch ansässigen Kaufhauses WEKA voranzutreiben.

Waren diese Projekte noch relativ unumstritten in Stadtrat und Bevölkerung, so wurde die Innenstadtgestaltung mit der damit einher gehenden Verkehrsberuhigung schon problematisch, nicht nur in der Umsetzung. Und als dann in der Innenstadt einige Einzelhändler ihre inhabergeführten Geschäfte aufgaben, wurde dies Bürgermeister Bogdahn – weniger seinem Stadtratsteam – angelastet. Der verkehrsberuhigte Marktplatz, jetzt Ort der Begegnung für Alt und Jung, wurde von bösen Zungen als „Platz des Himmlischen Friedens“ benannt.

Um die Lichtenfelser Innenstadt wieder mehr zu beleben, engangierte sich Winfred Bogdahn zusammen mit der lokalen Aktionsgruppe „LEADER+Lichtenfels e.V.“ zum einen für einen neuen Besucher-Magnet auf dem Marktplatz, zum anderen für einen Entwicklungplan für den Landkreis Lichtenfels mit den Themen: Flechthandwerk – Regionalprodukte – Tourismus. Die Vorstellung war – im sogenannten Deichmannhaus (Marktplatz 2) – ein Flechthaus mit einer gläsernen Werkstatt, Ausstellungs- und Verkaufsräumen für heimische Korbwaren und regionale Produkte, sowie einer Infothek für Touristen einzurichten.

Das Flechthausprojekt und die Innenstadtgestaltung wurden schließlich zum Zankapfel zwischen den politischen Parteien im Rathaus. Sicherlich agierten die Sozialdemokraten und ihr Bürgermeister in dieser Zeit nicht immer glücklich. Anders ist die, für die Lichtenfelser SPD bittere Wahlniederlage im Jahr 2002 nicht zu erklären.

Alle im Ortsverein und besonders Winfred Bogdahn hatte die Wahlniederlage im Jahr 2002 tief getroffen und es dauerte einige Jahre, um dieses Ergebnis zu verarbeiten. In den Folgejahren war Winfred Bogdahn Fraktionsvorsitzender der SPD im Stadtrat und kandidierte im Jahr 2008 nochmals (erfolglos) für das Amt des Bürgermeisters.

Im Februar 2016, völlig unerwartet und viel zu früh verstarb Winfred Bogdahn im Alter von 63 Jahren.

Die 1990er-Jahre waren zu Beginn von der Wende in der DDR und der Wiedervereinigung geprägt. Diese Ereignisse wirkten sich wie bereits erwähnt auch auf die Arbeit des SPD Ortsvereins Lichtenfels aus. Gleichzeitig ging es in der Wendezeit darum die Kommunalwahl im Frühjahr 1990 zu bestreiten.

Die Lichtenfelser SPD traf sich in den 1990er-Jahren monatlich in der Gaststätte „Zum Falken“. Breiten Raum nahmen bei diesen Versammlungen Berichte der Stadträte und ab 1991 des Bürgermeisters zu den jeweils aktuellen kommunalpolitische Themen ein.

Im Jahr 1993 fand im Landkreis Lichtenfels die Wahl zum Landrat statt, bei der sich der Kandidat der SPD Dr. Jürgen Zürbig nur knapp dem Kandidaten der CSU Reinhard Leutner in der Stichwahl geschlagen geben musste.

Im gleichen Jahr beschäftigte die SPD Mitglieder im Ortsverein die Mitgliederbefragung zum künftigen Vorsitzenden. Zur Wahl standen Rudolf Scharping, Gerhard Schröder und Heidemarie Wieczorek Zeul. Gewählt wurde Rudolf Scharping, der aber als Spitzenkandidat bei der Bundestagswahl 1994 unterlag.

Im Jahr 1996 trat Winfred Bogdahn als Bürgermeisterkandidat bei den Kommunalwahlen an und gewann diesmal souverän. Das Wahlkampfmotto lautete: „Weiter mit Bürgermeister Winfred Bogdahn“. Im Stadtrat gewann die SPD einen Sitz hinzu und es kam Dietmar Heinkelmann neu in das Gremium.

Neben den kommunalpolitischen Projekten wurden auch viele bundespolitische Themen diskutiert. Es herrschte vor der Bundestagswahl im Jahr 1998 eine große Wechselstimmung zu Gunsten der SPD und ihren Kanzlerkandidaten Gerhard Schröder und entsprechend gut waren die Versammlungen besucht. Auf Betreiben von Winfred Bogdahn war Gerhard Schröder im Jahr 1997 (damals noch als Ministerpräsident von Niedersachsen) Schirmherr des Lichtenfelser Korbmarktes. Aus heutiger Sicht und im historischen Kontext eine schöne Anekdote im Hinblick auf die sonst überwiegend eingeladene CSU-Prominenz und erst recht mit Blick auf die heutige Diskussion um die politische Neutralität der Schirmherrschaft.

Im Vorfeld der Wahlen im Jahr 1998 – es fanden kurz hintereinander im September Landtags- und Bundestagswahlen statt – teilte die SPD an den Sonntagen über mehrere Wochen hinweg eigene „Sonntagszeitungen“ aus, was bei den Verteilaktionen einen großen zeitlichen und persönlichen Einsatz der SPD Mitglieder im Stadtgebiet erforderte und in dieser Form nicht mehr wiederholt wurde.

Eine traditionell jährlich im November durchgeführte Veranstaltung des SPD Ortsvereins war in dieser Zeit ein Preisschafkopfturnier im Vereinsheim des SV Borussia Siedlung, das maßgeblich von Winfred Bogdahn organisiert wurde.

Der SPD Ortsverein veranstaltete mit großer Beteiligung auch immer wieder Wanderungen in die Lichtenfelser Ortsteile, wobei aktuelle Bauprojekte und Themen besichtigt und diskutiert wurden.

In den 1990er-Jahren bestand im SPD Ortsverein auch eine sehr aktive Juso-Arbeitsgemeinschaft die sich mit vielen Themen auseinander setzte. Beispielsweise gab es Podiumsdiskussionen über die Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten und um damals fehlende Ausbildungsplätze. Auf Initiative der Jusos veranstaltete der Ortsverein ab 1997 regelmäßig am 27. Dezember eine Winterwanderung. Diese Wanderung mit anschließender gemütlicher Einkehr ist inzwischen eine gute und beliebte Tradition bei der Lichtenfelser SPD geworden.

– Autorin: Monika Faber –